Bundesverkehrsminister Steffen Bilger eröffnet InnoTrans 2026 – klare Worte zur Bahnsanierung© Messe Berlin GmbH

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger eröffnet InnoTrans 2026 – klare Worte zur Bahnsanierung

TRAMX BLOG
Von Alex & TramX InnoTrans-Team 6 Min. Lesezeit

Mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger ist die InnoTrans 2026 am Dienstag offiziell in Berlin eröffnet worden. Vor mehr als 1.000 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sprach Bilger über die Zukunft des Schienenverkehrs – und fand dabei auch deutliche Worte zum Zustand des deutschen Bahnnetzes und zur bisherigen Umsetzung der Korridorsanierungen. Anschließend informierte sich der Verkehrsminister bei einem Rundgang über aktuelle Entwicklungen der Bahnbranche.

Seit Dienstagmorgen ist die InnoTrans 2026 offiziell eröffnet. Die Eröffnungsveranstaltung im palais.Berlin stand in diesem Jahr unter dem Motto „Mobility on a global scale – Shaping projects and growth opportunities“. Neben Bundesverkehrsminister Steffen Bilger nahm auch EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas an der Veranstaltung teil. Mehr als 1.000 internationale Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren zum Auftakt eingeladen. 

Auch Vertreter der Bahnindustrie waren prominent vertreten. Auf dem Eröffnungspanel saßen unter anderem Martin Sion von Alstom, Michael Peter von Siemens Mobility und Petr Novotny von der Škoda Group. Die internationale Perspektive ergänzte Ian Choudri von der California High Speed Rail Authority. 

Für den deutschen Verkehrsminister bot die Eröffnung jedoch nicht nur Gelegenheit, über Innovationen und Wachstum zu sprechen. Bilger nutzte seinen Auftritt auch, um eines der derzeit größten Probleme des deutschen Schienenverkehrs anzusprechen: die Modernisierung der Infrastruktur.

Bilger kritisiert bisherige Korridorsanierungen

Besonders deutlich äußerte sich der Bundesverkehrsminister zum Konzept der sogenannten Korridor- beziehungsweise Generalsanierungen.

„Das Konzept der Korridorsanierung hat die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt.“

Damit stellte Bilger zum Auftakt der weltweit größten Verkehrstechnikmesse klar, dass er mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden ist. Werden wichtige Bahnstrecken über Monate vollständig gesperrt, müsse die Infrastruktur nach Abschluss der Arbeiten auch spürbar zuverlässiger funktionieren, machte der Minister deutlich. 

Hintergrund ist das umfangreiche Sanierungsprogramm für besonders stark belastete Strecken im deutschen Schienennetz. Das Programm umfasst inzwischen 41 Korridore. Dort sollen Gleise, Weichen, Stellwerkstechnik, Bahnhöfe und weitere Anlagen möglichst gebündelt erneuert werden, statt zahlreiche einzelne Baustellen über viele Jahre zu verteilen. 

Die Grundidee: Eine Strecke wird für mehrere Monate umfangreich gesperrt und anschließend in deutlich verbessertem Zustand wieder in Betrieb genommen.

Genau an diesem Anspruch misst Bilger nun die bisherigen Projekte.

Zeitplan wurde bereits deutlich verändert

Dass es Anpassungsbedarf gibt, zeigt auch die Entwicklung des Sanierungsprogramms selbst.

Ursprünglich sollten die vorgesehenen Hochleistungskorridore bis 2030 modernisiert sein. Der Zeitplan wurde inzwischen jedoch überarbeitet. Nach dem aktuellen Konzept sollen die insgesamt 41 Korridore bis 2036 saniert werden; gleichzeitig soll die Zahl der parallel laufenden Großmaßnahmen begrenzt werden. 

Die Deutsche Bahn begründet die Änderungen unter anderem mit Erfahrungen aus bisherigen Projekten, der Stabilität von Umleitungsverkehren und begrenzten Ressourcen in der Baubranche. Der angepasste Zeitplan sieht grundsätzlich maximal vier Korridorsanierungen pro Jahr vor. 

Bilgers Aussagen auf der InnoTrans zeigen, dass das Thema damit politisch keineswegs abgeschlossen ist. Für den Bund geht es schließlich nicht allein darum, möglichst viele Kilometer Schiene zu erneuern. Entscheidend ist, ob die Investitionen am Ende auch zu einem zuverlässigeren Bahnverkehr führen.

Hohe Erwartungen an die Schiene

Der Zeitpunkt für diese Botschaft ist durchaus bemerkenswert.

Auf der InnoTrans präsentieren Hersteller aus aller Welt neue Züge, digitale Stellwerkstechnik, KI-Systeme, automatisierte Fahrzeuge und zahlreiche weitere Innovationen. Gleichzeitig kämpft das deutsche Schienennetz vielerorts mit alter Infrastruktur, Baustellen und betrieblichen Einschränkungen.

Damit treffen in Berlin in diesen Tagen zwei Seiten der Bahnbranche unmittelbar aufeinander: Auf der einen Seite zeigt die Industrie, was technisch bereits möglich ist. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie schnell solche Technologien und moderne Infrastruktur tatsächlich in den täglichen Bahnbetrieb gelangen.

Die InnoTrans 2026 zeigt dafür eine enorme Bandbreite. Mehr als 3.100 Aussteller präsentieren in Berlin ihre Produkte und Lösungen; allein 180 Weltpremieren wurden für die diesjährige Messe angekündigt. Künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung gehören zu den großen Schwerpunkten. 

Bilger auf Rundgang über die InnoTrans

Nach dem offiziellen Auftakt ging es für den Bundesverkehrsminister auf das Messegelände.

Beim Eröffnungsrundgang war Bilger unter anderem gemeinsam mit Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, unterwegs. Dabei erhielt der Minister Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Technologien der internationalen Bahnindustrie. 

Gerade die InnoTrans bietet dafür einen ungewöhnlich umfassenden Überblick. Fahrzeuge und Infrastrukturtechnik stehen hier ebenso im Mittelpunkt wie Digitalisierung, alternative Antriebe, Fahrgastinformation, Automatisierung und die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz.

Das Segment Railway Technology umfasst 2026 allein mehr als 1.200 Aussteller aus Europa, Asien, Afrika, Australien und Nordamerika. Hinzu kommen die Bereiche Railway Infrastructure, Public Transport, Interiors und Tunnel Construction. 

Auch für die Politik ist der Messebesuch deshalb mehr als ein klassischer Eröffnungstermin. Viele Technologien, über deren Finanzierung, Zulassung oder Einsatz politisch entschieden wird, stehen auf der InnoTrans bereits als reale Fahrzeuge oder Systeme vor Ort.

Investitionen allein reichen nicht

Bilgers Kritik an den Korridorsanierungen berührt dabei eine zentrale Frage der deutschen Verkehrspolitik: Wie können die erheblichen Investitionen in das Bahnnetz möglichst schnell auch bei den Fahrgästen und Verkehrsunternehmen ankommen?

Der Bund stellt hohe Summen für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur bereit. Gleichzeitig bleiben die Erwartungen an die Deutsche Bahn entsprechend hoch. Erst wenige Wochen vor der InnoTrans hatte Bilger erklärt, dass Probleme bei der Bahn zu den Themen gehörten, auf die er seit seinem Amtsantritt besonders häufig angesprochen werde. Das Bundesverkehrsministerium nennt eine pünktliche und verlässliche Bahn als eines seiner zentralen Ziele. 

Die Aussage auf der InnoTrans lässt sich deshalb auch als Forderung nach stärker messbaren Ergebnissen verstehen: Lange Vollsperrungen und aufwendige Bauprogramme sollen nicht zum Selbstzweck werden, sondern anschließend einen erkennbaren Nutzen für den Betrieb bringen.

InnoTrans als Treffpunkt von Politik und Industrie

Genau für solche Diskussionen bietet die InnoTrans einen passenden Rahmen.

Die diesjährige Eröffnungsveranstaltung stellte bewusst globale Mobilitätsprojekte und Wachstumsmöglichkeiten in den Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur um den Verkauf neuer Fahrzeuge. Digitalisierung, Automatisierung, Cybersecurity, Infrastruktur und neue Konzepte für den öffentlichen Verkehr gehören zu den zentralen Themen der Jubiläumsausgabe. 

Für Deutschland stellt sich dabei insbesondere die Frage, wie die vorhandene Infrastruktur modernisiert und zugleich leistungsfähiger gemacht werden kann.

Neue Züge allein lösen schließlich keine Kapazitätsprobleme auf überlasteten Strecken. Moderne Fahrzeuge, digitale Stellwerke, ETCS, leistungsfähige Bahnhöfe und ein zuverlässiges Schienennetz müssen zusammenpassen.

Die Diskussion um die Korridorsanierungen dürfte deshalb weit über die vier Messetage hinausreichen.

Zwischen Zukunftstechnik und bestehender Infrastruktur

Der Auftritt des Bundesverkehrsministers liefert damit einen interessanten Kontrast zum übrigen Messegeschehen.

Nur wenige Meter von der Eröffnungsveranstaltung entfernt zeigt die Bahnindustrie, wie der Schienenverkehr der kommenden Jahrzehnte aussehen könnte. Moderne Regionalzüge, neue Metros, Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge, autonome Systeme und digitale Infrastruktur demonstrieren den technischen Fortschritt.

Bilgers Rede erinnerte gleichzeitig daran, dass eine moderne Bahn nicht allein von neuen Fahrzeugen abhängt.

Damit Innovationen ihre Wirkung entfalten können, braucht es auch eine leistungsfähige Infrastruktur darunter.

Für Bundesverkehrsminister Steffen Bilger war die Eröffnung der InnoTrans 2026 deshalb nicht nur ein Blick auf die Zukunft der Bahnindustrie. Sie wurde auch zum Anlass für eine klare Botschaft an die laufende Modernisierung des deutschen Schienennetzes: Nach umfangreichen Bauarbeiten müssen Verbesserungen auch im täglichen Betrieb spürbar werden.

Die InnoTrans läuft noch bis Freitag, 25. September 2026, auf dem Berliner Messegelände. Für Fachbesucher ist sie bis Donnerstag jeweils von 9 bis 18 Uhr und am Freitag von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

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