Oslo testet die Straßenbahn der Zukunft: Autonomie-Projekt kommt zur InnoTrans 2026

Oslo testet die Straßenbahn der Zukunft: Autonomie-Projekt kommt zur InnoTrans 2026

TRAMX BLOG
Von Alex 4 Min. Lesezeit

Wie weit lässt sich eine klassische Straßenbahn automatisieren? In Oslo arbeiten der Verkehrsbetrieb Sporveien, Fahrzeughersteller CAF und das Technologieunternehmen OTIV an einem ambitionierten Projekt. Auf der InnoTrans 2026 wollen die Partner einen neuen Einblick in die Entwicklung geben. OTIV spricht dabei von der „weltweit ersten autonomen Straßenbahn“. Ganz so weit ist der Regelbetrieb allerdings noch nicht.

Auf der diesjährigen InnoTrans rückt ein Projekt aus Norwegen die Automatisierung von Straßenbahnen in den Mittelpunkt. Am 23. September wollen CAF und OTIV das Projekt PER4ALIVE vorstellen. OTIV liefert dafür das System zur Erfassung und Interpretation der Fahrzeugumgebung und arbeitet dabei mit CAF und dem Osloer Straßenbahnbetreiber Sporveien zusammen. Zunächst steht die Automatisierung von Betriebshofabläufen im Fokus, später sollen weitergehende Anwendungen folgen. Das Vorhaben ist Teil des europäischen Forschungsprogramms R2DATO. 

Sensoren und Kameras sammeln Daten im Osloer Straßenverkehr

Ein wichtiger Teil der Entwicklung findet bereits im regulären Straßenbahnnetz von Oslo statt. Seit Februar 2025 ist der SL18-Wagen 455 mit zusätzlichen Kameras und Sensoren ausgerüstet. Das Fahrzeug sammelt während seiner Fahrten Informationen über das Verkehrsgeschehen rund um die Straßenbahn. Sporveien zufolge kann später auch Wagen 456 in die Datenerfassung einbezogen werden. 

Die Technik soll unter anderem Fahrzeuge, Fußgänger, Radfahrer und potenzielle Hindernisse erkennen. Die gewonnenen Daten werden für maschinelles Lernen und Simulationen genutzt. Ziel ist es zunächst, Fahrerassistenzsysteme zu entwickeln, die beispielsweise vor Kollisionsgefahren warnen oder Verkehrssituationen besser einschätzen können. 

Wichtig dabei: Die Teststraßenbahn fährt derzeit nicht autonom durch Oslo. Nach Angaben von Sporveien sitzt weiterhin ein Fahrer am regulären Fahrerplatz und bedient das Fahrzeug wie jede andere Straßenbahn auch. 

Autonomer Betrieb beginnt im Depot

Weiter fortgeschritten sind die Versuche auf abgeschlossenen Betriebshofgeländen. Im Depot Holtet wurden bereits Funktionen zur Fernsteuerung einer Straßenbahn demonstriert. Zwei umgerüstete SL18-Fahrzeuge werden im Rahmen von R2DATO genutzt, um Remote-Control- und automatisierte Rangierfunktionen zu entwickeln. 

Der Betriebshof bietet dafür vergleichsweise kontrollierte Bedingungen. Straßenbahnen müssen dort unter anderem zwischen Abstellgleisen, Werkstattbereichen oder anderen Betriebsanlagen bewegt werden. Eine Automatisierung solcher Rangierfahrten könnte Personal entlasten und Betriebsabläufe effizienter gestalten.

Europe’s Rail nennt als nächsten Entwicklungsschritt die Demonstration eines vollständig autonomen Straßenbahnbetriebs innerhalb des Depots. Erst danach wird die Herausforderung deutlich größer: der Einsatz in einer offenen städtischen Umgebung. 

Straßenbahn stellt autonome Systeme vor besondere Herausforderungen

Auf den ersten Blick scheint eine Straßenbahn für autonomes Fahren besonders geeignet zu sein. Anders als ein Auto muss sie ihren Fahrweg nicht selbst wählen – die Schienen geben die Richtung vor.

Genau darin liegt jedoch auch ein Problem. Eine Straßenbahn kann einem plötzlich auftauchenden Hindernis nicht ausweichen. Im Mischverkehr kommen zudem zahlreiche unvorhersehbare Situationen hinzu: Autos können Gleise blockieren, Menschen die Strecke überqueren und Radfahrer unmittelbar vor dem Fahrzeug abbiegen.

Damit hängt eine erfolgreiche Automatisierung entscheidend davon ab, wie zuverlässig Kameras, Sensoren und Software die Umgebung erfassen und Gefahren bewerten können. Sporveien nennt als mögliche Anwendungen beispielsweise Kollisionsvermeidung, eine bessere Vorhersage der Bewegungen anderer Verkehrsteilnehmer und eine Entlastung des Fahrpersonals. 

„Weltweit erste autonome Straßenbahn“ – mit Einschränkung

OTIV bewirbt den InnoTrans-Auftritt unter der Überschrift „A world first: Autonomous trams in Oslo“ und spricht von einem Projekt, das die weltweit erste autonome Straßenbahn nach Oslo bringen soll. Gleichzeitig beschreibt das Unternehmen selbst einen schrittweisen Ansatz: Zunächst soll die Automatisierung im Depot vorangetrieben werden, bevor Anwendungen im vollständigen Betrieb folgen. 

Die Formulierung sollte deshalb nicht mit einer bereits heute fahrerlos verkehrenden Straßenbahnlinie verwechselt werden. Vielmehr entsteht in Oslo derzeit eine technologische Plattform, die verschiedene Stufen der Automatisierung ermöglichen soll – von Fahrerassistenz über Fernsteuerung und automatisches Rangieren bis perspektivisch zu deutlich stärker automatisiertem Straßenbahnbetrieb.

Gerade deshalb dürfte die Vorstellung auf der InnoTrans interessant werden: Sie könnte zeigen, wie groß der Schritt vom heutigen Versuchsfahrzeug zur tatsächlich autonom fahrenden Straßenbahn noch ist.

InnoTrans soll neuen Zwischenstand zeigen

Bei der InnoTrans 2026 wollen OTIV und CAF am 23. September über das Osloer Projekt informieren. Neben der Automatisierung arbeitet OTIV auch an Fahrerassistenzsystemen für den Straßenbahnbetrieb. Auf der Messe ist dazu ebenfalls ein Vortrag gemeinsam mit dem belgischen Betreiber De Lijn angekündigt. 

Damit geht es in Berlin nicht nur um eine langfristige Vision einer fahrerlosen Straßenbahn. Einige der dafür entwickelten Technologien könnten wesentlich früher im regulären Betrieb ankommen – etwa als Assistenzsysteme, Kollisionswarnung oder automatisierte Funktionen auf Betriebshöfen.

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Autor

Alex

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